Modul 7 von 8 · Selbstfürsorge

Gut für sich sorgen – damit Sie gut für andere sorgen können

Viele pflegende Angehörige stellen sich selbst jahrelang hintan. Dieses Modul zeigt: Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern die Voraussetzung dafür, dass Pflege auf Dauer gelingt.

  • ca. 25 Minuten
  • 7 Abschnitte, 3 Fragen
  • ohne Anmeldung
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Noch nicht begonnen
Angehörige ruht sich im Park aus, während eine Begleiterin mit ihrer Mutter Karten spielt
7.1 2 Min.

Warum wir uns selbst vergessen

Es gibt viele Gründe, warum Angehörige die eigenen Bedürfnisse zurückstellen:

Pflichtgefühl„Ich habe es versprochen.“
Schuld„Hilfe holen heißt versagen.“
Angst„Niemand macht es so gut wie ich.“
Zeitnot„Für mich bleibt keine Zeit.“
Einsamkeit„Ich habe niemanden, dem ich vertraue.“
Erschöpfung„Ich bin zu müde, um Hilfe zu suchen.“

Diese Gefühle sind normal – aber auf Dauer gefährlich. Wer sich selbst vernachlässigt, verliert die Kraft, die er für die Pflege braucht.

7.2 4 Min.

Warnzeichen der Erschöpfung

Erschöpfung kommt schleichend. Achten Sie auf diese Signale bei sich selbst:

Körperständige Müdigkeit, Schlafprobleme, Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen, häufige Infekte, Herzrasen oder Schwindel
SeeleGereiztheit, Traurigkeit, Leere, Schuldgefühle, Konzentrationsprobleme, keine Freude mehr, innere Unruhe
Alltag & KontakteRückzug von Freunden, Hobbys aufgegeben, eigene Arzttermine verschoben, das Gefühl, niemand versteht Sie
Wenn Sie mehrere Zeichen erkennenDann ist es Zeit, etwas zu ändern. Nicht irgendwann – jetzt. Sprechen Sie auch mit Ihrer Hausarztpraxis über Ihre eigene Gesundheit.
7.3 2 Min.

Was Entlastung wirklich bedeutet

Entlastung heißt nicht aufgeben. Entlastung heißt:

  • Zeit für sich haben – und sei es nur eine Stunde am Tag
  • Kraft tanken, um weiter da sein zu können
  • Hilfe annehmen, ohne sich zu rechtfertigen
  • Grenzen setzen, ohne sich schuldig zu fühlen
  • nicht alles allein schaffen müssen
Gut zu wissenStudien und die medizinische Leitlinie zeigen: Entlastungsangebote können Belastung und depressive Beschwerden bei Angehörigen verringern.
7.4 5 Min.

Konkrete Wege zur Entlastung

Im AlltagFeste Zeiten für sich in den Kalender eintragen. Kleine Auszeiten: Spaziergang, Bad, Telefonat. Aufgaben abgeben. Und wenn jemand Hilfe anbietet: Ja sagen.
Durch ProfisTages- und Nachtpflege, Kurzzeit- und Verhinderungspflege, ambulante Pflegedienste und Alltagshilfen nach § 45a – viele davon über die Pflegekasse finanzierbar (siehe Modul 6).
Im AustauschSelbsthilfegruppen und Angehörigengruppen: Menschen, die verstehen, ohne dass Sie viel erklären müssen. Auch Online-Foren, rund um die Uhr.
Durch BeratungPflegestützpunkte, Pflegekassen, die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und – wenn die Last zu groß wird – psychotherapeutische Unterstützung.
7.5 3 Min.

Grenzen setzen

Grenzen setzen heißt

  • Nein sagen, wenn es zu viel wird
  • Aufgaben abgeben, auch wenn sie nicht perfekt erledigt werden
  • nicht alles kontrollieren müssen
  • auch mal nicht erreichbar sein
  • sich Freude erlauben

Grenzen setzen heißt nicht

  • den Menschen im Stich lassen
  • die Pflege aufgeben
  • egoistisch sein
  • versagen
GrundsatzWer für sich selbst sorgt, sorgt auch für den anderen.
7.6 3 Min.

Schuldgefühle

Schuldgefühle sind die häufigsten Begleiter pflegender Angehöriger:

„Ich hätte es früher merken müssen.“ · „Ich bin zu ungeduldig.“ · „Ich bin froh, wenn er schläft.“ · „Manchmal denke ich: Wann ist das vorbei?“

  • Solche Gedanken sind normal – sie bedeuten nicht, dass Sie schuldig sind oder weniger lieben.
  • Sprechen Sie darüber: mit Freunden, in einer Gruppe, in der Beratung.
  • Vergeben Sie sich selbst. Niemand ist perfekt.
  • Machen Sie sich bewusst: Was Sie leisten, ist außergewöhnlich.
7.7 1 Min.

Ihr eigener Weg

Es gibt kein Richtig und kein Falsch – nur Ihren Weg. Manche finden Kraft in der Stille, andere in Bewegung, im Gespräch, im Glauben, in der Natur oder in Musik.

Wichtig ist nurDass Sie ihn suchen. Nicht irgendwann – heute.
Zum Nachdenken

Drei Fragen an Sie

Überlegen Sie zuerst selbst – öffnen Sie dann die Antwort.

1Sie pflegen Ihre Mutter seit zwei Jahren, sind ständig müde und gereizt. Was tun Sie?Antwort zeigen
Sich zuerst eingestehen: So geht es nicht weiter – und das ist keine Schwäche. Dann konkrete Schritte: Pflegestützpunkt anrufen, Tagespflege oder Alltagshilfe prüfen, mit der Hausarztpraxis sprechen, eine Angehörigengruppe suchen, eine Freundin um Hilfe bitten.
2Ihre Schwester bietet an, am Wochenende zu übernehmen. Sie denken: „Niemand macht es so gut wie ich.“Antwort zeigen
Annehmen. Ihre Schwester macht es anders – nicht unbedingt schlechter. Ein paar Stunden mit einer anderen vertrauten Person sind für den erkrankten Menschen oft sogar bereichernd. Und für Sie ist die Pause wichtig.
3Sie schämen sich, weil Sie manchmal denken: „Wann ist das alles vorbei?“Antwort zeigen
Solche Gedanken sind normal und zeigen Erschöpfung, nicht fehlende Liebe. Sprechen Sie darüber – mit Vertrauten, in einer Gruppe oder in der Beratung. Geteilte Schuldgefühle werden leichter.
Zusammenfassung

Das Wichtigste in Kürze

  • Erschöpfung kommt schleichend – Warnzeichen ernst nehmen.
  • Entlastung ist keine Schwäche, sondern Voraussetzung für gute Pflege.
  • Es gibt viele Hilfen: Alltagshilfen, Tagespflege, Kurzzeit- und Verhinderungspflege.
  • Austausch mit anderen Angehörigen entlastet.
  • Grenzen setzen ist Selbstfürsorge.
  • Schuldgefühle sind normal – sie dürfen nicht Ihr Leben bestimmen.
Wichtig: Dieser Lernbereich ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine Pflegeberatung. Bei Unsicherheit wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis, Ihre Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt. Im Notfall: 112.

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Die Inhalte dieses Lernbereichs basieren auf den aktuellen Empfehlungen der S3-Leitlinie Demenzen sowie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Zum Quellenverzeichnis. Die genannten Organisationen sind nicht Herausgeber dieses Lernbereichs. Stand: Oktober 2026.

Dieser Lernbereich ersetzt keine ärztliche, pflegerische oder rechtliche Beratung. Im Notfall: 112.

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