Modul 5 von 8 · Herausforderungen

Wenn es schwierig wird: Handeln in herausfordernden Momenten

Aggression, Unruhe, ständige Wiederholungen, ein Mensch, der Sie nicht mehr erkennt: Dieses Modul erklärt, wie solche Situationen entstehen und wie Sie handlungsfähig bleiben.

  • ca. 30 Minuten
  • 6 Abschnitte, 3 Fragen
  • ohne Anmeldung
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Noch nicht begonnen
Sohn hält die Hände seines Vaters und spricht ruhig mit ihm
5.1 3 Min.

Warum herausforderndes Verhalten entsteht

Aggression, Unruhe oder Wiederholungen sind nicht „einfach die Demenz“. Sie entstehen meist aus mehreren Gründen zugleich:

GehirnBereiche für Impulskontrolle, Orientierung und Gefühle arbeiten nicht mehr richtig.
KörperSchmerzen, Hunger, Durst, Müdigkeit, Infekte, Nebenwirkungen von Medikamenten.
SeeleAngst, Einsamkeit, Langeweile, Überforderung, Trauer.
UmgebungLärm, Hektik, fremde Menschen und Orte, zu viele Reize.
Umgangzu schnelles Sprechen, Korrekturen, fehlende Wertschätzung.
Lebensgeschichtefrühere Erfahrungen und Verluste, die wieder wach werden.
Gut zu wissenFachleute empfehlen, zuerst Ursachen zu suchen und Umgebung, Kommunikation und Beschäftigung anzupassen – Medikamente kommen erst danach in Frage. Viele schwierige Situationen lassen sich so entschärfen.
5.2 5 Min.

Aggression

Schreien, Schimpfen oder gar Schlagen ist für Angehörige besonders belastend. Wichtig zu wissen: Aggression ist fast nie persönlich gemeint. Sie ist ein Notsignal – der Mensch fühlt sich bedroht, ausgeliefert oder überfordert. Häufige Auslöser sind Schmerzen, Angst, Scham (z. B. beim Waschen) und das Gefühl, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren.

Was Sie tun können

  • einen Schritt zurücktreten, Raum geben
  • leiser sprechen statt lauter
  • das Gefühl benennen: „Ich sehe, du bist wütend.“
  • eine einfache Wahl anbieten: „Setzen wir uns oder gehen wir ans Fenster?“
  • nach der Ursache suchen: Schmerz, Lärm, Müdigkeit, Hunger?
  • ablenken: ein Lied, ein Foto, ein anderes Thema

Was Sie vermeiden sollten

  • zurückschreien
  • festhalten – das verstärkt das Gefühl, ausgeliefert zu sein
  • diskutieren: „Ich hab dir doch nichts getan!“
  • bestrafen – der Zusammenhang wird nicht verstanden
Ihre Sicherheit geht vor. Wenn Sie oder andere in Gefahr sind, bringen Sie sich in Sicherheit und holen Sie Hilfe – im Notfall über die 112. Bei wiederholter Aggression sprechen Sie mit der Hausarztpraxis.
5.3 5 Min.

Unruhe und der Drang wegzugehen

Viele Menschen mit Demenz werden besonders am späten Nachmittag und Abend unruhig: Sie laufen umher, packen Sachen, wollen „nach Hause“. Dahinter stecken oft Angst, Orientierungslosigkeit, Langeweile, Schmerzen oder zu viele Reize.

Was Sie tun können

  • ein fester Abendablauf
  • warmes, helles Licht statt Dämmerlicht
  • ein Spaziergang am Nachmittag
  • ablenken: Lied, Tee, Geschichte
  • „Ich bin hier. Ich bleibe bei dir.“
  • mitgehen: „Komm, wir gehen ein Stück zusammen.“

Was Sie vermeiden sollten

  • korrigieren: „Du bist doch zu Hause!“
  • festhalten oder einsperren gegen den Willen
  • mit Logik überzeugen wollen
SicherheitWege frei halten, Haustür nachts sichern, Nachbarn informieren. Ein aktuelles Foto und Kleidung mit Namen helfen, falls jemand verloren geht. Wird ein Mensch mit Demenz vermisst: sofort die Polizei unter 110 anrufen.
5.4 3 Min.

Immer wieder dieselbe Frage

Zehnmal dieselbe Frage, zwanzigmal dieselbe Geschichte: Das ist kein Trotz, sondern Vergessen. Hinter der Frage steckt meist ein Gefühl – Unsicherheit, Hunger, Langeweile.

Was Sie tun können

  • ruhig antworten – auch beim zehnten Mal
  • das Gefühl ansprechen: „Du hast Hunger, oder?“
  • gemeinsam nachschauen
  • die Antwort aufschreiben: „Essen gibt es um 12 Uhr.“
  • wenn es zu viel wird: kurz den Raum verlassen, durchatmen

Was Sie vermeiden sollten

  • „Das hab ich dir doch gerade gesagt!“
  • genervter Tonfall
  • Vorwürfe
5.5 3 Min.

Wenn Sie nicht mehr erkannt werden

Die Tochter wird für die Schwester gehalten, die Ehefrau für eine Fremde. Das tut weh. Doch es ist keine Ablehnung – die Hirnbereiche für das Erkennen von Gesichtern arbeiten nicht mehr zuverlässig.

Was Sie tun können

  • Sicherheit geben: „Ich bin hier. Ich bleibe bei dir.“
  • das Gefühl aufgreifen: „Du vermisst deine Tochter, oder?“
  • sich bewusst machen: Es ist die Krankheit, nicht der Mensch
  • sich selbst schützen: kurz rausgehen, durchatmen, wiederkommen

Was Sie vermeiden sollten

  • beharren: „Ich bin doch deine Tochter!“
  • Abfragen: „Weißt du, wer ich bin?“
  • es persönlich nehmen
5.6 2 Min.

Wenn gar nichts mehr geht

Manchmal hilft keine Strategie. Der Mensch beruhigt sich nicht, und Sie sind am Ende Ihrer Kraft. Dann gilt:

Raum verlassenKurz rausgehen, durchatmen, wiederkommen – wenn die Situation sicher ist.
Hilfe holenFreunde, Familie, Pflegestützpunkt oder eine Beratungsstelle anrufen.
Grenze anerkennen„Ich kann nicht mehr“ ist keine Schwäche, sondern ein wichtiges Signal.
Entlastung nutzenTagespflege, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sind genau dafür da.
Sich vergebenNiemand ist perfekt. Morgen ist ein neuer Tag.
Zum Nachdenken

Drei Fragen an Sie

Überlegen Sie zuerst selbst – öffnen Sie dann die Antwort.

1Ihr Vater lebt im Pflegeheim, weiß das aber nicht mehr. Er schreit Sie an, weil er nach Hause will. Was tun Sie?Antwort zeigen
Nicht korrigieren („Das ist jetzt dein Zuhause“). Besser: „Ich verstehe, dass du nach Hause willst. Ich bin hier.“ Dann behutsam ablenken: aus dem Fenster schauen, einen Tee anbieten. Es geht nicht darum, wer recht hat, sondern darum, die Angst zu nehmen.
2Ihre Mutter läuft jeden Abend unruhig durch die Wohnung. Was können Sie tun?Antwort zeigen
Ein festes Abendritual, warmes Licht, ruhige Musik, eine Tasse Tee und ein Spaziergang am Nachmittag. Begleiten statt korrigieren. Für Sicherheit sorgen. Wird die Unruhe sehr stark, die Hausarztpraxis einbeziehen.
3Ihr Mann hält Sie für seine Mutter. Wie reagieren Sie?Antwort zeigen
Nicht korrigieren. Sagen Sie: „Ich bin hier. Ich bleibe bei dir.“ oder „Du denkst an deine Mutter – erzähl mir von ihr.“ Es geht um Nähe und Sicherheit, nicht um den Namen. Und: Es ist die Krankheit, nicht Ihr Mann.
Zusammenfassung

Das Wichtigste in Kürze

  • Herausforderndes Verhalten hat meist mehrere Ursachen: Gehirn, Körper, Gefühle, Umgebung, Umgang.
  • Aggression ist fast nie persönlich gemeint – sie ist ein Notsignal.
  • Unruhe und Weglaufen sind oft Ausdruck von Angst oder unerfüllten Bedürfnissen.
  • Wiederholungen sind Vergessen, kein Trotz.
  • Nicht erkannt zu werden ist eine Folge der Erkrankung, keine Ablehnung.
  • Wenn nichts mehr geht: Raum verlassen, Hilfe holen, sich selbst vergeben.
  • Zuerst Ursachen suchen und das Umfeld anpassen – Medikamente erst danach.
Wichtig: Dieser Lernbereich ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine Pflegeberatung. Bei Unsicherheit wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis, Ihre Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt. Im Notfall: 112.

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Dieser Bereich wird von DigitalOmi regelmäßig inhaltlich überprüft.

Die Inhalte dieses Lernbereichs basieren auf den aktuellen Empfehlungen der S3-Leitlinie Demenzen sowie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Zum Quellenverzeichnis. Die genannten Organisationen sind nicht Herausgeber dieses Lernbereichs. Stand: Oktober 2026.

Dieser Lernbereich ersetzt keine ärztliche, pflegerische oder rechtliche Beratung. Im Notfall: 112.

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