Modul 3 von 8 · Alltag

Den Alltag gemeinsam gestalten

Das praktischste Modul der Reihe: wie Rituale, sinnvolle Beschäftigung, Bewegung und eine angepasste Wohnung den Alltag leichter machen – für beide Seiten.

  • ca. 25 Minuten
  • 6 Abschnitte, 3 Fragen
  • ohne Anmeldung
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Noch nicht begonnen
Ältere Frau schneidet mit Unterstützung Gemüse in der Küche
3.1 2 Min.

Warum der Alltag so wichtig ist

Pflege ist mehr als Waschen, Anziehen und Medikamente. Ein Tag mit Demenz besteht vor allem aus Zeit – und in leeren Stunden entstehen leicht Langeweile, Unruhe oder Angst.

Fachleute empfehlen deshalb Beschäftigung, Bewegung und geistige Anregung ausdrücklich, um Unruhe und anderen Verhaltensänderungen vorzubeugen. Ein gut gestalteter Alltag ist keine Nebensache – er ist Vorbeugung.

Was Menschen mit Demenz brauchenStruktur, die Sicherheit gibt. Aufgaben, die zeigen: Ich werde gebraucht. Und Bewegung für Körper und Geist.
3.2 4 Min.

Rituale geben Halt

Ohne Struktur weiß ein Mensch mit Demenz nicht, was als Nächstes kommt. Rituale sind wie Anker im Tag: Jetzt ist Morgen. Jetzt ist Mittag. Jetzt ist Abend.

MorgensGemeinsam frühstücken – immer am selben Platz, mit derselben Tasse.
MittagsZusammen den Tisch decken, essen, danach ausruhen oder spazieren.
AbendsGemeinsam abräumen, eine Tasse Tee, vertraute Musik.
Vor dem SchlafenImmer dieselbe Reihenfolge: Zähne, Schlafanzug, Licht dimmen, ein Lied.
MerksatzNicht Perfektion zählt, sondern Wiederholung. Ein Ritual muss nicht perfekt sein – nur wiedererkennbar.
3.3 4 Min.

Beschäftigung, die Sinn ergibt

Menschen mit Demenz möchten beitragen und gebraucht werden. Viele frühere Aufgaben sind zu kompliziert geworden – einfachere Tätigkeiten geben aber weiterhin ein Gefühl von Sinn und Können.

Was oft gut klappt

  • Haushalt: Tisch abwischen, Wäsche falten, Blumen gießen, Gemüse putzen (mit Hilfe)
  • Sortieren und Ordnen: Knöpfe sortieren, Socken paaren
  • Kreatives: malen, kneten, singen – Musik bleibt besonders lange im Gedächtnis
  • Bewegung: spazieren, tanzen, Gymnastik im Sitzen

Was eher überfordert

  • Aufgaben mit vielen Schritten
  • Aufgaben, die lange dauern
  • Tätigkeiten ohne sichtbares Ergebnis
  • alles, was beschämt oder überfordert
GrundsatzLieber einfach als kompliziert. Lieber kurz als lang. Lieber gemeinsam als allein.
3.4 3 Min.

Bewegung hält Körper und Geist in Schwung

Bewegung verbessert die Stimmung, verringert Unruhe, erhält die Beweglichkeit und fördert die Durchblutung. Fachleute empfehlen regelmäßige körperliche Aktivität als Teil der Behandlung ohne Medikamente.

Gut geeignet

  • Spaziergänge – möglichst zur gleichen Zeit, auf derselben Runde
  • Gymnastik im Sitzen: Arme heben, Beine strecken
  • Tanzen zu vertrauter Musik
  • gemeinsame Hausarbeit – Bewegung und Sinn zugleich

Darauf achten

  • Sicherheit: Stolperfallen meiden, feste Schuhe
  • lieber kürzer und dafür öfter
  • bei Schmerzen nicht weitermachen und ärztlich klären lassen
  • Freude statt Pflicht
3.5 4 Min.

Die Wohnung sicher und vertraut machen

Die Umgebung beeinflusst das Verhalten stärker, als viele denken. Die Wohnung sollte sicher, übersichtlich und ruhig sein.

SicherheitTeppiche fixieren, Kabel wegräumen, Herd sichern, Medikamente und Putzmittel wegschließen, Nachtlichter in Flur und Bad, Telefon mit großen Tasten.
OrientierungTüren mit Bildern oder Farben kennzeichnen, große Uhr und Kalender, vertraute Fotos, Möbel nicht umstellen.
RuheFernseher leiser, nicht zu viele Menschen auf einmal, ein Rückzugsort für zu viel Trubel.

Gut zu wissen: Für Umbauten in der Wohnung kann die Pflegekasse einen Zuschuss geben (mehr in Modul 6).

GrundsatzDie Wohnung soll vertraut bleiben. Große Veränderungen verunsichern, kleine Anpassungen helfen.
3.6 3 Min.

Selbstbestimmung erhalten

Menschen mit Demenz können nach und nach weniger selbst entscheiden – das Bedürfnis danach bleibt aber.

Was Selbstbestimmung stärkt

  • einfache Wahl anbieten: „Tee oder Kaffee?“
  • Entscheidungen zulassen, solange keine Gefahr besteht
  • vorhandene Fähigkeiten nutzen – auch wenn es länger dauert
  • Fehler nicht korrigieren

Was sie verletzt

  • alles abnehmen: „Das mache ich schon.“
  • korrigieren: „Das ist doch falsch.“
  • bestimmen: „Du ziehst jetzt das an.“
  • überfordern: „Entscheide du.“ – bei zu vielen Möglichkeiten
GrundsatzSo viel Selbstbestimmung wie möglich, so viel Hilfe wie nötig.
Zum Nachdenken

Drei Fragen an Sie

Überlegen Sie zuerst selbst – öffnen Sie dann die Antwort.

1Ihr Vater möchte unbedingt abwaschen, wie früher. Das Geschirr wird aber nicht sauber. Was tun Sie?Antwort zeigen
Lassen Sie ihn. Das Gefühl, gebraucht zu werden, ist wichtiger als perfekt sauberes Geschirr. Spülen Sie später unauffällig nach – oder machen Sie es gemeinsam: Er wäscht, Sie trocknen ab.
2Ihre Mutter wird jeden Abend unruhig, läuft umher und will „nach Hause“. Was hilft?Antwort zeigen
Diese abendliche Unruhe ist häufig (oft „Sundowning“ genannt). Hilfreich sind ein festes Abendritual, warmes, helles Licht, ruhige Musik, eine Tasse Tee und ein Spaziergang am Nachmittag. Nicht korrigieren („Du bist doch zu Hause“), sondern begleiten: „Ich bin hier. Ich bleibe bei dir.“
3Warum ist Bewegung bei Demenz so wichtig?Antwort zeigen
Sie hebt die Stimmung, verringert Unruhe und Aggression, erhält die Beweglichkeit und fördert die Durchblutung. Fachleute empfehlen regelmäßige Bewegung ausdrücklich als Teil der Behandlung.
Zusammenfassung

Das Wichtigste in Kürze

  • Rituale und ein fester Tagesablauf geben Sicherheit.
  • Beschäftigung sollte einfach, sinnvoll und gemeinsam sein.
  • Bewegung tut Körper und Stimmung gut.
  • Die Wohnung sollte sicher, übersichtlich und ruhig sein.
  • So viel Selbstbestimmung wie möglich, so viel Hilfe wie nötig.
  • Wiederholung und Geduld zählen mehr als Perfektion.
Wichtig: Dieser Lernbereich ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine Pflegeberatung. Bei Unsicherheit wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis, Ihre Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt. Im Notfall: 112.

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Die Inhalte dieses Lernbereichs basieren auf den aktuellen Empfehlungen der S3-Leitlinie Demenzen sowie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Zum Quellenverzeichnis. Die genannten Organisationen sind nicht Herausgeber dieses Lernbereichs. Stand: Oktober 2026.

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